Die Apokalypse von Cambrai

Die hohe Schule der karolingischen Buchmalerei

Geheimnisvoll leuchtet die Apokalypse von Cambrai aus dem Dunkel der Geschichte – ein mehr als 1100 Jahre alter Bilderschatz, der die Wirren der Jahrhunderte und zwei Weltkriege erstaunlich gut überstanden hat. In den 46 ganzseitigen Illustrationen zur Offenbarung des Johannes entfaltet sich eine farbenfrohe Bild-Erzählung, die dem Betrachter trotz des endzeitlichen Themas Zuversicht vermittelt. Die erkennbar von der Spätantike inspirierte Buchmalerei, angereichert mit fränkischen Einflüssen, verweist auf die große Zeit der Karolinger.

In der Faksimile-Edition des Quaternio Verlags Luzern wird diese reiche und phantasievolle Buchmalerei für jeden Interessierten zugänglich, lebendig und in ihrer künstlerischen Qualität und Wirkung authentisch erfahrbar.

Apokalypse von Cambrai

Die Apokalypse von Cambrai: Die Handschrift

Apokalypse von Cambrai, fol. 27r

Magische Bilder

Die Apokalypse von Cambrai wirkt nach über einem Jahrtausend ungebrochen in der Kraft ihrer Bilder. Blatt für Blatt illustrieren sie einen rätselhaften Bibeltext: die Offenbarung des Johannes. Nur vier Apokalypse-Handschriften sind aus dem 9. Jahrhundert erhalten. Unter ihnen ist die Apokalypse von Cambrai zweifellos die lebendigste. Einzigartig ist ihre reiche Ausstattung mit erzählerischen Bild-Elementen. 46 ganzseitige Miniaturen beeindrucken den Betrachter durch ihre Dynamik und eine gewisse Leichtigkeit in der Darstellung. Die Farbpalette ist dabei vielfältig und frisch. Blau-, Ocker-, Gelb- und Grüntöne sind harmonisch komponiert und die Flächen sorgfältig ausgefüllt – eine Bild- und Farbenwelt, die zum Verweilen einlädt!

Faszinierende Endzeit-Vision

Apokalypsen sind Texte, die Weissagungen und Visionen vom kommenden Weltuntergang zum Thema haben. Meist sind sie verbunden mit der Idee eines Weltgerichts und der göttlichen Erneuerung der Welt. Die Geheime Offenbarung des Johannes ist der einzige Text dieser Art, der in den Kanon der neutestamentlichen Schriften aufgenommen wurde. Seither beflügelt er mit seinen geradezu surrealen Sprachbildern die Kreativität und Phantasie der Künstler, wenn diese die Visionen in der Sprache ihrer Zeit auszudrücken versuchen. Jede Apokalypse-Handschrift ist daher einzigartig. So bietet uns die Apokalypse von Cambrai noch keine düsteren Darstellungen von Ungeheuern, Teufeln und Höllenstrafen, sondern vermittelt Zuversicht.

Karolingische Renaissance

Die Apokalypse von Cambrai gehört in einen Zusammenhang mit der sog. karolingischen Renaissance. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die von Karl dem Großen und der Aachener Hofschule angestoßen und befördert wurde. Neben politischen und kirchlichen Aspekten beinhaltet sie vor allem die kulturelle Erneuerung des Reiches. Das betraf u.a. die Reform von Sprache, Schrift und Liturgie, eine stärkere Beschäftigung mit den antiken Autoren und die Nachahmung antiker Kunst. Diese Entwicklung wurde im 9. Jahrhundert von den religiösen Zentren Tours, Reims und Metz weitergetragen – so auch nach Cambrai, wo die farbenfrohe Apokalypse für eine der großen Kirchen bestimmt gewesen sein könnte.

Reiterstatuette Karls des Großen aus dem späten 9. Jahrhundert

Apokalypse von Cambrai

Unter der Lupe: Vorbildhafte Kunst der christlichen Spätantike

Apokalypse von Cambrai, fol. 26r

Die Künstler der Apokalypse von Cambrai sind erkennbar von der Malerei der Spätantike inspiriert: Tempelarchitekturen mit Säulen, korinthische Kapitelle und Palmetten sind dekorative Elemente, vor denen jugendlich-bartlose Figuren in Tunika, Toga und Sandalen oder barfuß wie die antiken Götter agieren. Der häufig streifenartige Bildaufbau und die klare Linienführung bringen Ordnung ins Bild. Die großäugigen Figuren sind zweidimensional angelegt und gestikulieren mit erhobenen Händen, was ihnen eine besondere Lebendigkeit verleiht. Darin ist bereits ein künstlerisches Ausdruckselement angelegt, das später in übersteigerter Form – ebenso wie die stark stilisierten Bäume und Pflanzen – für die ottonische Kunst charakteristisch werden wird.

Der antikisierende Malstil lässt sich am Beispiel von fol. 26r im Detail nachvollziehen. Die obere Bildhäfte zeigt hier den geöffneten Tempel Gottes mit der Bundeslade und die Anbetung der 24 Ältesten, die Gott loben, dass er die Herrschaft angetreten habe (Apk 11,15–19). Der Tempel ist dabei ein antikisierender Säulenbau mit ziegelgedecktem Spitzdach. Auffällig sind die verknoteten Vorhänge in den Seitenarkaden – als Hinweis auf die Öffnung des Tempels. Die Bundeslade erscheint in der Frontarkade als ein übereck gestellter Kasten, der mit einem Tuch drapiert ist. Unterhalb des Tempels stehen die 24 Ältesten seitlich in zwei Gruppen.
In der unteren Bildhälfte erscheint Johannes mit Nimbus und Toga, der seine Prophetie an die sieben Gemeinden in Kleinasien richtet.

Apokalypse von Cambrai

Die Apokalypse von Cambrai: Die Edition

Apokalypse von Cambrai, Faksimile-Edition, Band stehend und aufgeschlagen

Handschrift und Faksimile im Überblick

Die Apokalypse von Cambrai ist die berühmteste Handschrift der öffentlichen Bibliothek von Cambrai. Die Faksimile-Edition macht sie authentisch erlebbar und begeistert nicht nur durch die optische Qualität der Wahrnehmung, sondern dank des pergamentartigen Spezialpapiers auch in Haptik und Klang.

Handschrift: Cambrai, Médiathèque d’Agglomération de Cambrai, Ms. B 386
Entstehungszeit: Ende 9. Jahrhundert
Entstehungsort: Frankreich (Cambrai?)
Format: ca. 31,0 x 23,0 cm
Umfang: 96 Seiten (48 Blatt)
Künstler: unbekannt, vermutlich mehrere
Auftraggeber: unbekannt
Ausstattung: 46 ganzseitige Miniaturen in frischen und leuchtenden Farben, phantasievoll gemusterte und abwechslungsreich gestaltete Zierrahmen um jede Miniaturenseite, weniger aufwendige Farbrahmen um jede Textseite
Einband: reich dekorierter Ledereinband mit geometrischen und floralen Motiven in filigraner Blindprägung (Original aus dem 18. Jahrhundert)
Kommentarband zur Edition mit Beiträgen von Franck Cinato / Peter K. Klein / Fabien Laforge → Inhalt

Apokalypse von Cambrai

10 Seiten zum Blättern:

Ein Blick in die faksimilierte Handschrift

Der Ausschnitt aus der Apokalypse von Cambrai gibt die Seitenfolge fol. 6r–10v wieder.
Jede der Miniaturen- und Textseiten hat einen individuell gestalteten Zierrahmen, der bei den Miniaturenseiten reich und phantasievoll gemustert ist.
In harmonisch komponierten, frischen Farben zeigen die Illustrationen: die Botschaft an die Gemeinde von Sardis (fol. 6v), die Botschaft an die Gemeinde von Philadelphia I (fol. 7v), die Botschaft an die Gemeinde von Philadelphia II und die Botschaft an die Gemeinde von Laodicaea I (fol. 8v), die Botschaft an die Gemeinde von Laodicaea II (fol. 9v) und die Vision vom thronenden Gott (fol. 10v).

Apokalypse von Cambrai

Herausforderungen bei der Herstellung: fac simile

Apokalypse von Cambrai, Fotoaufnahme des Originalhandschrift in der Bibliothek von Cambrai

Auf dem neusten Stand der Technik

Bei der Faksimilierung der Apokalypse von Cambrai gelten wie bei all unseren Editionen höchste Anforderungen in puncto Treue zum Original. Vor Ort in Cambrai nehmen Spezialisten der Digitalisierung die Handschrift mit größter Sorgfalt in den Räumen der Bibliothek auf. Die Bilddaten werden anschließend von einem Lithographen aufbereitet. Seite für Seite vergleicht er die angedruckten Bögen mit dem Original und achtet dabei insbesondere auf die genaue Wiedergabe der über tausendjährigen Farben. Erst nach mehreren Korrekturgängen kann der Druck auf pergamentartigem Spezialpapier unter ständiger Qualitätskontrolle ausgeführt werden.

Traditionelles Handwerk

Nach dem Druck arbeitet der Buchbinder wie schon vor Jahrhunderten weitestgehend von Hand. Das betrifft das Falzen der Bogen, das Heften der Lagen zum Buchblock oder das Umstechen des Kapitalbandes. Der fertige Buchblock wird in die Einbanddecke gehängt, für die zuvor das Leder in der besten Qualität ausgewählt und dem Farbton des Originals angepasst worden ist. Der heutige Einband der Apokalypse-Handschrift stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist auf Vorder- und Rückdeckel mit geometrischen und floralen Motiven in Blindprägung verziert. Das Prägecliché für die Einbandprägung herzustellen verlangt ebenfalls nach höchster Präzision.

Apokalypse von Cambrai, Heften der Lagen zum Buchblock an der Heftlade
Apokalypse von Cambrai, Begutachtung der Originalhandschrift in der Stadtbibliothek von Cambrai

Apokalypse von Cambrai

Die Faksimilemappe zur Edition

Apokalypse von Cambrai, Faksimilemappe zur Edition

Lebendige Bilder, harmonisch komponierte, frische, leuchtende Farben – ein Meisterwerk karolingischer Buchmalerei als ein Meisterwerk moderner Faksimilierkunst!
Der Quaternio Verlag Luzern hat für Sie eine in Leinen gebundene Faksimilemappe zur Apokalypse von Cambrai aufgelegt. Sie enthält ein vierseitiges Original-Faksimiledoppelblatt. Das leicht wellige Spezialpapier für die Faksimile-Edition vermittelt einen sehr authentischen Eindruck davon, wie sich eine mehr als 1100 Jahre alte Pergamenthandschrift anfühlt und umblättert. Die beiden Miniaturen auf den Faksimileseiten werden durch ausführliche Beschreibungen erläutert. Eine reich illustrierte Informationsbroschüre führt Sie auf 16 Seiten in diese außergewöhnliche Bilderhandschrift aus der Karolingerzeit ein.

Apokalypse von Cambrai

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