Das Stundenbuch der Margarete von Orléans

Bezaubernde Miniaturen – Bordüren voller Geschichten

Wer das Stundenbuch der Margarete von Orléans aufschlägt, dem öffnet sich ein Fenster in die Welt des Spätmittelalters. Goldstrahlende Miniaturen und lebendige Bordürenmalerei, exzellent ausgeführt, ziehen den Betrachter in ihren Bann, der zum nimmermüden Entdecker einer fantastischen Welt wird. In jedem Detail leuchtet ihm gotische Buchkunst in höchster Vollendung entgegen. Der Prachteinband von 1725/33 mit seiner feinen Goldprägung gibt diesem Meisterwerk ein würdiges Gewand.

„Das bordürenreichste Buch, von irrsinnigem Einfallsreichtum, eine Summe von Limburg- und Boucicaut-Kunst … auf jeder Seite vierseitiger Dekor. Um 1430, ergänzt um 1450, erhalten wie neu, und glitzernd, funkelnd, superb.“ (Eberhard König, Freie Universität Berlin)

Stundenbuch Margarete von Orléans

Das Stundenbuch der Margarete von Orléans: Die Handschrift

Stundenbuch der Margarete von Orléans, fol. 163r

Meisterhafte Buchkunst

Das Stundenbuch der Margarete von Orléans ist ein Werk von höchster künstlerischer Qualität. Farben, Gold und Silber bilden ein harmonisches Ganzes. Drei Buchmaler haben es reich und originell ausgestaltet. Ein bretonischer Meister schuf um 1423/26 die goldgerahmten Kalender-Medaillons. Die Miniaturen und Bordüren im Hauptteil stammen vom „Meister der Margarete von Orléans“ (um 1430), der seine Ausbildung im Umfeld des Boucicaut-Meisters in Paris erhalten hatte und mit dem Werk der Brüder Limburg bestens vertraut war. Seine Pinselstriche sind so fein, dass selbst kleinste Details sorgfältig wiedergegeben sind. Um 1450 ergänzte dann Étienne Sauderat aus dem Umfeld des Bedford-Meisters den Schmuck des Stundenbuchs.

Bibliophilie im Königsblut

Als Tochter eines Königssohnes gehörte Margarete von Orléans (1406–1466) zum französischen Hochadel. Sie war die Enkelin König Karls V. und daher auch die Großnichte seines Bruders Johann, des Herzogs von Berry. Während der eine mit seiner Büchersammlung den Grundstock für die spätere Bibliothèque nationale de France legte, zählte der andere zu den berühmtesten Mäzenen der Buchkunst seiner Zeit. Hinzu kommt, dass Margaretes älterer Bruder Karl, Herzog von Orléans, der Poesie besonders zugetan und auch selbst ein großer Dichter war. Margarete scheint die Bücherliebe ihrer Verwandten geteilt zu haben. Wie erklärte es sich sonst, dass für sie ein so originelles Stundenbuch geschaffen wurde?

Bretonisches Hochzeitsgeschenk?

Margarete von Orléans heiratete vermutlich 1423 Richard, den Grafen von Étampes, einen Sohn des Herzogs der Bretagne. Ihr Ehemann dürfte wohl noch im Jahr der Hochzeit einen Buchmaler seiner Wahl in der Stadt Rennes mit der Ausmalung des Stundenbuchs beauftragt haben, das offenbar als Geschenk für Margarete gedacht war. So spürt der Betrachter denn auch auf jeder Seite den sehr persönlichen Charakter der Handschrift. Häufig wird das Allianzwappen des Paares dargestellt; und auf dem goldenen Grund fast aller Initialen ist das Monogramm r&m zu entdecken, verbunden durch einen Liebesknoten. Margarete selbst findet sich als Beterin vor der Jungfrau Maria und dem Christusknaben auf fol. 25r.

Stundenbuch der Margarete von Orléans, Darstellung der Auftraggeberin auf fol. 25r

Stundenbuch Margarete von Orléans

Unter der Lupe: Spätmittelalterliche Lebenswelten in den Bordüren

Stundenbuch der Margarete von Orléans, fol. 174r

Die Bordüren voller Geschichten machen das Stundenbuch der Margarete von Orléans zu einem wunderbaren Zeugnis des Lebens im späten Mittelalter. Sie nehmen den Betrachter mit auf eine Entdeckungsreise, bei der Ritter sich im Turnier messen oder in der Schlacht kämpfen, Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela sind und Bauern Weizen schneiden. Hirsche werden gejagt und Vögel gefangen. Die Gegenwart der Zeit – weniger die Realität als vielmehr eine Vorstellung davon, wie schön es sein könnte – dringt auf diese Weise in das Stundenbuch ein. Konsequent verzichtet der „Meister der Margarete von Orléans“ in seinen Bordürenmalereien auf die konventionellen Gestaltungsmuster und setzt stattdessen das weltliche Leben einfallsreich in Szene.

Ungewöhnlich ist das Thema der Bordüre, die die Miniatur von Maria Magdalena als Büßerin umgibt (fol. 174r). In einem Hafen, mutmaßlich am Mittelmeer, herrscht buntes Treiben. Ob im Orient oder Okzident, das bleibt unklar. Auf dem verschlungenen Pfad durch das Grün ist freilich eine Karawane mit Dromedaren zu entdecken. Auch tragen einige Männer Turbane und Krummschwerter. Im Vordergrund findet auf dem Wasser eine vergnügliche Bootsfahrt statt. Auf den Schiffen werden Segel gesetzt und eingeholt und im Hafen Waren entladen, die dann in Säcken abtransportiert werden. Vielleicht handelt es sich dabei um kostbare Gewürze aus Arabien. Ein breiter Weg führt vom Wasser weg und schlängelt sich in ferne Länder, wo Waldmenschen und wilde Tiere hausen.

Stundenbuch Margarete von Orléans

Das Stundenbuch der Margarete von Orléans: Die Edition

Stundenbuch der Margarete von Orléans, Faksimile-Edition, Band stehend und aufgeschlagen

Handschrift und Faksimile im Überblick

Das Stundenbuch der Margarete von Orléans begeistert als Faksimile-Edition ebenso wie das Original und vermittelt dem Betrachter ein unvergleichliches Erlebnis mittelalterlicher Buchmalerei. Staunenswerte Pracht, originelle Bilder und höchste künstlerische Qualität.

Handschrift: Paris, Bibliothèque nationale de France, Ms. lat. 1156B
Entstehungszeit: ca. 1423/26, 1430 und 1450
Entstehungsort: Rennes, Bourges und Paris
Format: ca. 20,7 x 15,0 cm
Umfang: 420 Seiten (210 Blatt)
Künstler: unbekannter bretonischer Meister (Maler des Kalenders), Meister der Margarete von Orléans, Étienne Sauderat
Auftraggeber: Richard, Graf von Étampes, Ehemann der Margarete von Orléans, und Margarete selbst
Ausstattung: 41 Miniaturen, 42 historisierte Bordüren, 24 Kalender-Medaillons, Textseiten mit Dornblattranken, Blatt- und Pinselgold, Silber, Ziselierungen
Einband: vierfarbiger Ledermosaik-Einband mit Goldprägung und stilisierten Margeriten (Original von Antoine-Michel Padeloup, Hofbuchbinder, von 1725/33)
Kommentarband zur Edition von Eberhard König / Christine Seidel → Inhalt

Stundenbuch Margarete von Orléans

 

10 Seiten zum Blättern:

Ein Blick in die faksimilierte Handschrift

Der hier wiedergegebene Ausschnitt aus dem Stundenbuch der Margarete von Orléans zeigt die Seitenfolge fol. 173r–177v.
Mit schöner Regelmäßigkeit wechseln dabei die Miniaturenseiten mit den originellen Bordüren und die Schriftseiten einander ab.
Die goldgerahmten Miniaturen stellen Antonius Abbas in der Wildnis, Maria Magdalena als Büßerin, die heilige Katharina, die heilige Margarete und schließlich alle Heiligen, auf einem Bild versammelt, dar.
Auf den Schriftseiten funkelt das Blattgold in den Dornblattranken der Schmuckbordüren.

Stundenbuch Margarete von Orléans

Herausforderungen bei der Herstellung: fac simile

Stundenbuch der Margarete von Orléans, Blatt- und Pinselgold auf fol. 89r

Goldene Vielfalt

Im Stundenbuch der Margarete von Orléans entfaltet das Gold eine einzigartige Wirkung auf den Betrachter. In den Miniaturen, Bordüren, Initialen und Dornblattranken ist es fast überall präsent. Auf den prachtvoll geschmückten Seiten der Handschrift sind dabei zwei Arten von unterschiedlich funkelndem Blattgold und zwei Varianten von zart schimmerndem Pinselgold zu entdecken. Für Spezialisten ist es eine große Herausforderung, diese Nuancen und die feinen Ziselierungen im Gold bei der Faksimilierung genauestens wiederzugeben. Denn erst im perfekten Zusammenspiel von Gold und Farbe kann das Faksimile dieselbe Lebendigkeit wie das Original vermitteln.

Buchbinderische Perfektion

Im 18. Jahrhundert erhielt das Stundenbuch der Margarete von Orléans einen überaus prächtigen Ledermosaik-Einband mit feinster Goldprägung. Der rote Einband des Faksimiles ist getreu dem Original gestaltet. Wie schon vor 300 Jahren ist die Tätigkeit des Buchbinders dabei traditionelle Handarbeit. Die gefalzten Druckbogen werden zu Lagen zusammengefasst und an der Heftlade zum Buchblock geheftet. Dieser wird durch ein zweifarbiges handumstochenes Kapitalband und einen manuell aufgetragenen Pinselgoldschnitt geschützt. Das erfordert eine ruhige Hand und viel Erfahrung. Das gilt auch für das Anbringen der verschiedenfarbigen Lederstücke auf dem Vorder- und Hinterdeckel.

Stundenbuch der Margarete von Orléans, Bindung, Kapitalband umstechen
Stundenbuch der Margarete von Orléans, Buchbinder, Lederfeld einschmieren

Stundenbuch Margarete von Orléans

Die Faksimilemappe zur Edition

Stundenbuch der Margarete von Orléans, Faksimilemappe zur Edition

Das Stundenbuch der Margarete von Orléans erfreut den Betrachter mit großer Kunst, wunderbaren Details, leuchtenden Farben und goldenem Dekor. Einen Vorgeschmack auf die originalgetreue Faksimile-Edition bietet die eigens aufgelegte Faksimilemappe. Die Mappe enthält drei Original-Faksimileblätter, die jeweils als Hauptminiatur die Anbetung der Könige, den heiligen Michael und die Taufe Jesu zeigen und eine Kostprobe vom Reichtum der Bordüren geben. Eine 16-seitige Informationsbroschüre führt anschaulich in die Themenvielfalt dieser Malerei, die qualitativ hochstehende Kunst des „Meisters der Margarete von Orléans“ und den historischen Kontext dieser außergewöhnlichen Handschrift ein.

Stundenbuch Margarete von Orléans

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